19. November 2010

Der Wetterkrimi wird zum Thriller

 

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Eine ähnliche Großwetterlage wie bald gab es auch im eisigen Januar 1940. (Grafik: Kai Zorn)
 

Wer kennt das nicht? Der Job wird manches Mal zum Alltag und man erledigt dann seine Arbeit. Das kommt bei mir zwar nicht oft vor, aber eben ab und zu, vor allem bei „langweiligen Wetterlagen“, wenn sich über Wochen kaum etwas tut und man sich die Themen schon fast aus den Fingern saugen muss. Meist jedoch geht es in der Wetterküche spannend zu und ich bin jedes Mal zu tiefst dankbar, diese Aufgabe erledigen zu dürfen.

Das, was die Wetterentwicklung jedoch im Moment bietet, erfüllt mich mit einer großen Erfurcht. Es gab Wetterlagen, da schoss Adrenalin durch meine Adern… das war beim Pfingsthochwasser 1999 so, bei Lothar an Weihnachten sowie beim Augusthochwasser 2005. Meteorologisch höchst interessant waren auch der August 2003 sowie der Juli 2006.

Jetzt aber bahnt sich eine gigantische Großwetterlagenkonstellation an, die sich ihresgleichen nur in wenigen Wintern findet, und zwar in den kältesten Wintern des vergangenen Jahrhunderts!

Normalerweise liegt im Winterhalbjahr über dem grönländischen und isländischen Raum ein Tief-Zentrum, das für eine wechselhafte Witterung sorgt. Über Labrador und dem Westatlantik fließen die eisigen und schweren Luftmassen nach Süden und fachen dieses Tief an. In den meisten Wintern schafft es das Tief im Gegenzug, bis nach Ost- und Nordeuropa milde Luft zu wuchten. Ist dieses Tief schwächer und dominieren mehr Hochs unser Wetter, dann kommt es zu einer gestörten Zirkulation und die Winter sind tendenziell kälter. Es folgen Kalt- und in wenigen Fällen auch Strengwinter. Der vergangene Winter war so ein Kaltwinter.

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Am kommenden Dienstag baut sich solch eine ähnliche Wetterlage auf. (Grafik: Kai Zorn)
 

Nun aber steht die Wetterwelt Kopf. Zwischen Grönland/Island und dem Nordpol baut sich ein gigantisches Polarhoch auf, das in der Höhe ungewöhnlich warme Luft hat. So ist die Luftmasse über Grönland phasenweise rund 15 Grad wärmer als im langjährigen Mittel. Der Grönländer an sich rennt da im T-Shirt rum ;) . Diese sehr warme Luft stützt das Hoch. Und das zunehmend eisige Kaltluftreservoir über dem Nordpol will weg. Es sucht sich den Weg im Uhrzeigersinn um das Hoch herum und hat Europa im Visier.

Eine solche Extremlage finden wir beispielsweise im eisigen Kriegswinter 1940 (Grafik rechts). Diese Wetterlage herrschte hier Mitte Januar. Und jetzt achten Sie mal bitte auf die Entwicklung in der kommenden Woche (Grafik links). Hier baut sich diese Wetterlage auf und die Polarluft kommt mit 1500 Meter-Temperaturen von bis zu minus 20 Grad über Skandinavien an. Bei uns wird sie aller Voraussicht nach an den Folgetagen mit Werten von minus 10 bis minus 15 Grad in 1500 Meter Höhe ankommen, plus/minus ein paar Grad.

Allein diese Wetterlage ist ein meteorologisches Highlight. Nun stellt sich die Frage: Wie geht es weiter? Anfang/Mitte Dezember ist so eine Schlüsselzeit für den Winter. Eine sich hier einpendelnde Wetterlage findet hier Tritt und kann sich immer wieder und wieder wiederholen. Erfahrungsgemäß gibt es zwischen Mitte Januar und Anfang Februar noch einmal eine Zeit, in der sich die Großwetterlage verändern kann. Hier kann sich der Winter verabschieden, verschärfen oder so weitermachen wie bisher. 

(Ende Januar 2005 schlug nach einem extrem milden Januar der Winter dann voll zu. Mitte Januar 2006 deutete sich eine Schwächelphase des kalten Winterwetters an und atlantische Tiefs wollten den Winter verscheuchen. Die Hochs blockten jedoch ab. In 2008 wich der Winter im Januar nach einem recht kalten Start und brachte uns unterm Strich abermals einen extrem milden Winter. Hier ließen sich unzählige weitere Beispiele finden.)

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